Besichtigung des Stauferklosters Lorch

Glück gehabt. Am Tag des Ausfluges, Samstag, den 3. Nov. 2012, sah es morgens noch nicht nach einem schönen sonnigen Herbsttag aus. Es war kalt und es hat geregnet. Im Laufe des Vormittages wurde es allerdings heller und trocken. Die Gruppe machte sich gegen Mittag auf den Weg nach Backnang, um mit der Bahn ins nahegelegen Kloster Lorch zu fahren.

die Gesamtansicht des Klosters

Für die meisten war die Anlage nichts Neues. War doch Jeder schon einmal hier, sei es mit der Schule oder er hat nicht weit von hier gewohnt.
Die sehr interessante Führung durch die schöne Klosteranlage und der Kirche gab jedem einen Eindruck über die damalige Zeit. Sehr aufschlussreich war die Darstellung der Staufer und ihre für Europa prägende Zeit auf dem Rundbild von Hans Kloss im Kapitelsaal. Beeindruckend war außerdem die wunderschöne Aussicht ins herbstliche Remstal.

Palm’sche Apotheke in Schorndorf

Auf der Heimfahrt machte die Gruppe noch einen Stopp auf halber Strecke in Schorndorf. Aufgrund der schönen alten Fachwerkhäuser rund um den Marktplatz kam man zu der Überzeugung, dass Schorndorf ein mögliches nächstes Ausflugsziel wäre. Nach Kaffee und Kuchen war die einhellige Meinung, dass wieder ein schöner Ausflugstag des Frauenclubs zu Ende war. Mit diese Erkenntnis machte man sich dann endgültig auf den Heimweg.

Für den, der sich nicht so auskennt, hier noch einige Informationen über das Kloster:

Um 1100 wird die Geschichte des Benediktinerklosters nachvollziehbar: Der Stauferherzog Friedrich von Schwaben, seine Frau Agnes und seine Söhne Friedrich und Konrad schenken das bereits bestehende Kloster in Lorch dem Papst in Rom. (Stiftungsurkunde vom 3. Mai 1102).
Insgesamt erlebte Kloster Lorch seit dem Niedergang der Staufer wenig glanzvolle Zeiten. Die Krise im 14. und 15. Jahrhundert erfasste fast alle Klöster: Eine Verweltlichung setzte sein, die Mönchsregeln wurden nur noch nachlässig befolgt. Eine wirtschaftliche Blütezeit begann ab 1462 durch die Reform des Klosterlebens. Lorch, im 14. Jahrhundert noch selbst verschuldet, konnte nun den Grafen von Württemberg Kredit geben.
Nach der Aufhebung des Klosters existierte in Lorch ein württembergisches Klosteramt mit einem herzoglichen Klosterverwalter. Äbte gab es weiterhin: Sie waren als Vertreter des Klosteramtes Mitglieder im württembergischen Landtag und seit 1727 auch Kanzler der Universität Tübingen. Im Jahr 1806 wurde das Kloster säkularisiert.

Der romanische Bau
   Die erste Bauphase der Lorcher Klosterkirche beginnt um 1100 und ist wohl bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts abgeschlossen. Man errichtete sie als dreischiffige, flachgedeckte Pfeilerbasilika über dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes. Der monumentale Baukörper strahlt eine bis heute bezeichnende Schlichtheit und Ruhe aus.

Der spätgotische Ausbau 
Im Jahr 1469 wurde der Chor der romanischen Klosterkirche erneuert. Dazu wurde die Apsis abgerissen  und der Chorraum erhöht. Neben dieser einschneidenden Veränderung im Chor weisen heute vor allem noch die Sternrippengewölbe des Querhauses und der Vierung sowie der nördliche Kreuzgangflügel hin.

Die Chorbücher
   Das Kloster Lorch ist bekannt als ein wichtiger Ort staufischer Geschichte in Württemberg. Dabei vergisst man oft: bedeutend war das Kloster nicht nur, weil es Staufergrablege sein sollte. Die prachtvollen Lorcher Chorbücher (1511-1512) zeugen von einer anderen Zeit. Sie stammen aus der Hoch-und Glanzzeit des klösterlichen Lebens und Schaffens in Lorch zu Anfang des 16. Jahrhunderts.
Die Bibliothek wurde 1535 aufgelöst. Die Bände verschwanden. Erst 1587 wurden sie von zwei ehemaligen Lorcher Mönchen an das nicht reformierte Benediktinerkloster Neresheim verkauft. Dort blieben sie bis ins 18. Jahrhundert. Dann kamen sie als Geschenk des Abtes von Neresheim nach Stuttgart zu Herzog Carl Eugen, der ein passionierter Sammler von alten Bibeln und religiösen Handschriften war. Sie sind heute im Besitz der Württembergischen Landesbibliothek.

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Die Aufhebung des Klosters Lorch
   Der Bauernkrieg setzte der Klosterblüte ein jähes Ende: Am 26. April 1525 wurde Kloster Lorch von den als “Gaildorfer Haufen” versammelten Bauern eingenommen, am 3. Mai in Brand gesetzt. Die kostbare Bibliothek wurde fast vollständig vernichtet, das Kloster geplündert und die Mönche verjagt. Der letzte große Abt, Laurentius Autenrieth (1525-1549), setzte das Kloster zwar wieder instand, es erreichte jedoch seinen einstigen Rang nicht mehr.
Gegen den Willen von Abt und Mönchen führte Herzog Ulrich von Württemberg 1535 die Reformation in Kloster Lorch ein. Während des so genannten Augsburger Interims 1548 wurde es den Mönchen zurückgegeben.
1556 hob Herzog Christoph von Württemberg das Kloster erneut auf und richtete dort eine evangelische Klosterschule zur Ausbildung von Pfarrern ein. Während des Dreißigjährigen Krieges konnte Lorch mit Benediktinermönchen aus St. Blasien besiedelt werden. Nach Abschluss des Westfälischen Friedens 1648 wurde Lorch endgültig reformiert.

Staufer-Rundbild
Im Kapitelsaal befindet sich das Staufer-Rundbild. Auf 30 m Länge und 4,5 m Höhe erzählt es die Geschichte der Staufer. Der Künstler Hans Kloss stellte das Monumentalgemälde, nach fast 5 jähriger Arbeitszeit, im Jubiläumsjahr 2002 fertig.