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Über Staffeln zur Villa Reitzenstein

Die Stäffelestour zur Villa Reitzenstein zu machen, war eine gute Gelegenheit die Lichter der Stadt Stuttgart zu sehen. Durch die vielen Aussichtsterrassen, die auf dem Weg liegen hatten wir genügend Gelegenheiten dazu. Es war nicht allen bekannt, dass Stuttgart innerhalb seiner Stadtgrenzen bis zu 342 Meter Höhenunterschied aufweist, den man zu Fuß vorzugsweise mit Staffeln oder Stäffele (auf keinen Fall Treppen) überwindet. Im Stadtgebiet von Stuttgart zählt man über 400 Staffeln die immerhin zusammen etwa 20 Kilometer lang sind.

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Im Alten Schloß

Unsere Route führte vom Alten Schloß über den Schlossplatz und dem Schlossgarten zur Eugensstaffel und endete schließlich an der  Villa Reitzenstein mit ihrer Aussichtsterrasse.

 

 

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Galatea-Brunnen am Eugensplatz

Die Stuttgarter Eugenstaffel beginnt an der Urbanstraße. Ein paar Anmerkungen zur Eugensstaffel:
Gekrönt wird sie am Eugensplatz von der schönen Galatea, die auf die Stadt im Talkessel blickt. Die Figur wurde von Königin Olga 1890 gestiftet. Die Galatea (der Name bedeutet “Weiß wie Schnee”) ist eine Figur der griechischen Mythenwelt. Sie wurde vom Zyklop Polyphem begehrt, dem sie aber den jungen Hirten Akis vorzog. Polyphem zerschmetterte daraufhin Akis mit einem Felsbrocken. Galatea ließ unter dem Felsen eine Quelle entspringen und machte Akis zum Gott des Stromes.
Die Berliner Schuhmachertochter Anna Sasse stand dem Künstler Otto Rieth Modell für diese Figur. Viele Stuttgarter waren mit der nahezu unbekleideten Darstellung unzufrieden (… oder da es kein Stuttgarter Mädle war?) und beschwerten sich. Königin Olga drohte daraufhin, die Figur umdrehen zu lassen, damit sie mit ihrem Hinterteil auf die Stadt hinabblicke. Die Beschwerden stoppten sofort!

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Bildergallerie zur Stäffelestour

Vorbei an vielen schönen alten Villen gelangt man zur Villa Reitzenstein auf der Gänsheide. Leider war es nicht möglich die Villa bzw. den Park zu besuchen. Trotzden hier noch einige Anmerkungen.

Villa-Reitzenstein
Villa Reitzenstein

Die Villa Reitzenstein in Stuttgart ist der Amtssitz des Staatsministeriums Baden-Württemberg und des amtierenden Ministerpräsidenten. Sie befindet sich im Stadtbezirk Stuttgart-Ost und liegt auf halber Höhe auf einem Hügel am Hang des Bopser südöstlich über dem Stuttgarter Talkessel.
Die Villa Reitzenstein wurde zwischen 1910 und 1913 für Baronin Helene von Reitzenstein erbaut. Benannt ist die Villa nach dem verstorbenen Ehemann der Bauherrin, Carl Friedrich Sigmund Felix Freiherr von Reitzenstein. Sie war die zweite Tochter des Stuttgarter Verlegers Eduard Hallberger.
Im Ersten Weltkrieg wurde der Bau zeitweise als Reservelazarett für Offiziere verwendet.
Die Villa wurde umgebaut und diente ab 1925 als Sitz des württembergischen Staatspräsidenten. Als Erster wohnte Staatspräsident Wilhelm Bazille dort.
Am 22. April 1945 übergab der damalige Oberbürgermeister die Stadt französischen Truppen. Diese nahmen kurzzeitig Besitz von der Villa, nach Kriegsende hatte der US-amerikanische Militärgouverneur, General Lucius D. Clay dort seinen Sitz.
Seit 1952 ist sie Dienstsitz der Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. Am 19. Juni 1983 wurde im sogenannten Eckzimmer des Hauses der Stuttgarter Vertrag, eine feierliche Erklärung im Rahmen der Einheitlichen Europäischen Akte, vom damaligen deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher und seinem italienischen Amtskollegen Emilio Colombo ausgearbeitet. In diesem Vertrag verpflichten sich die Staaten der Europäischen Gemeinschaft die Fortschritte auf dem Gebiet der interinstitutionellen Beziehungen, Zuständigkeiten der Gemeinschaft und politischen Zusammenarbeit zu überprüfen und sie gegebenenfalls in einen neuen Vertrag zur Europäischen Gemeinschaft aufzunehmen.

Hier ein Video zur Villa: Villa Reitzenstein

Der Blick auf die Stadt Stuttgart von den Aussichtspunkt ist spektakulär. Man kann sehr gut die Kessellage der Stadt mit ihren Wäldern und Weinbergen sehen.

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Blick aus das abendliche Stuttgart

Der Rückweg führte über eine der schönsten Staffeln – die Sünderstaffel – wieder zurück in die Innenstadt. Diese Staffel ist ein besonders Gebilde. Eine wunderschöne Staffel mit verzierten Geländern und Bäumen, sowie in der Mitte ein Rondell. Sie ist seit 1893 eine Oase in der Großstadt. Um den Namen gibt es verschiedene Geschichten. Ob sie auf den Mann namens „Sünder“ zurückgeht oder ob hier 1339 ein Bernhard Rugger enthauptet wurde, ist nicht bestätigt.
Zurück am Wilhelmpalais war allen klar, Stuttgart ist immer wieder eine Entdeckungstour wert.