Lesung von Hülya Kalkan

Ich wollte nur frei sein – meine Flucht vor der Zwangsehe


Eine starke Frau hat am Freitagabend ihre faszinierende Biografie “Ich wollte nur frei sein – meine Flucht vor der Zwangsehe” im Rielingshäuser Feuerwehrgerätehaus präsentiert.

“Ganz schön nervös” sei sie, sagt Hülya Kalkan. Schließlich hat die 28-Jährige zum ersten Mal seit Jahren ihren früheren Heimatort wieder besucht. “Rielingshausen hat für mich einen großen Stellenwert, es ist ein besonderer Ort”, betont die Autorin und versichert den Gästen: “Ich bin eine von Ihnen.” Am Ende hat ihr der Austausch von Erinnerungen mit ihren ehemaligen Grundschullehrerinnen und Bekannten von damals besonderen Spaß gemacht.

Mehr als 80 Zuhörer sind der Einladung am Freitag, den 19. Okt. 2007 des Frauenclubs Rielingshausen und des Heimat- und Museumsvereins gefolgt. Das Schicksal von Hülya Kalkan hat quasi direkt vor ihrer Haustür seinen Anfang genommen. Kalkan ist in Marbach geboren und im Flecken von Rielingshausen nach strengen muslimischen Regeln aufgewachsen. Ihr Weg führte sie als Jugendliche in die Türkei. Dort sollte sie als 17-Jährige zwangsverheiratet werden. Ihrer Schwester Esme drohte das gleiche Schicksal. Mutig und überlegt hat Hülya sich selbst und Esme aus den Klauen ihrer herrschsüchtigen Tanten befreit.

In ihrem Buch will Kalkan nicht nur auf ihr eigenes Schicksal aufmerksam machen. Vielmehr spricht sie die Zwangsverheiratung türkischer Mädchen, das Leben in der Parallelgesellschaft und die Zerrissenheit der Gefühle an und möchte die Menschen damit wachrütteln.

2007-10-19-0030Hülya Kalkan liest mit sanfter Stimme, lächelt in die Menge und beschränkt sich bei ihrer Lesung auf die aussagekräftigsten Kapitel ihres Buches. Und wie fühlt sie sich heute? Als Türkin sehe sie sich nicht, sagt die engagierte junge Frau, die in Stuttgart lebt. Vom Islam habe sie sich zurückgezogen und Zuflucht im Buddhismus gefunden. Das Land ihrer Eltern bereise sie lediglich im Urlaub. Zurzeit büffelt sie für ihr Abitur, hält Vorträge zum Thema Zwangsheirat und leistet Aufklärungsarbeit in Schulen.

Hülya Kalkans Geschichte ist faszinierend und ermutigend zugleich. Schade nur, dass einige aus dem Saal die Fragerunde mit der mutigen Autorin als Plattform für eine sozialkritische Grundsatzdiskussion missbraucht, sich dabei selbst profiliert und Kalkan in den Hintergrund gestellt haben. Denn die Gelegenheit, mehr über das Leben der jungen Frau zu erfahren, kommt so schnell nicht wieder.

« 1 von 2 »