Besuch der Ausstellung “Im Glanz der Zaren” im Landesmuseum in Stuttgart am 18. Januer 2014

„In Stuttgart verändern Frauen Politik“ oder „Mit Gold in die Fremde geschickt“ so oder ähnlich hätten damalige Schlagzeilen lauten können.

Der Frauenclub Rielingshausen ist am Samstag, den 18. Januar 2014 dem Ruf des Zarenglanzes gefolgt und mit einer sehr großen Gruppe zu der Ausstellung ins Landesmuseum in Stuttgart gefahren. Der Heimat- und Museumsverein Rielingshausen hatte sich dem Frauenclub angeschlossen.
Alle waren sehr gespannt was auf sie zukam. War es doch jedem klar, dass die Frauen um die es hier ging, nicht ganz unbedeutend in der damalige Zeit waren. Am Ende der Führung waren alle sehr beeindruckt von den Personen, Bildnissen und Gegenständen, die hier gezeigt wurden. Außerdem hatten es die Meisten als eine Auffrischung des Geschichtsunterrichtes empfunden. Jeder war des Lobes voll ob der gelungenen Ausstellung des Landesmuseums.

Eine kurze Information zu der Ausstellung:

Die Situation in Russland war so: Katharina die Große hat Mitte der 1770er Jahre das russische Reich stabilisiert. Die Zarin mit deutschen Wurzeln aber weiß: Will Russland im Machtgefüge in Europas eine mitentscheidende Rolle spielen, braucht es belastbare ­Beziehungen nach Westen.

Eine Hochzeit soll den Einfluss der Romanows stärken. Welches Adelshaus aber käme als strategischer Partner infrage? Sie entscheidet sich für ein in seinen Ausmaßen kleines, aber in der geografischen Spannung zwischen Frankreich und Preußen strategisch interessantes ­ Herzogtum – Württemberg. Katharina entscheidet für ihren Sohn Paul. Der Thronfolger hat die württembergische Prinzessin ­ Sophie Dorothee – zu heiraten. 1776 findet in St. Petersburg die Hochzeit statt. Aus Sophie Dorothee wird Maria Fjodorowna, und Katharina die Große ­notiert: „Alle sind von ihr begeistert.“

Sophie Dorothee bzw. Maria Fjodorowna war nur der Anfang dieser Geschichte.

Gezeigt wurden fünf Frauen, die bis 1917 für die Verbindung zwischen den ­Romanows und dem Hause Württemberg standen, vergleichbar fünf Bühnen. Auf ihnen wurde von Glanz und Selbstverständnis erzählt, wurde Macht demonstriert, aber auch der Schritt in die Moderne des frühen 20. Jahrhunderts deutlich.

Die Hauptrollen auf diesen fünf Bühnen spielten diese fünf Frauen:

 

Nach Sophie Dorothee (1759-1828) sind dies zwei Russinnen – Katharina (1788-1819), die Gemahlin des späteren König Wilhelm I. und Olga  (1822-1892), die Ehefrau des späteren von König Karl. 1824 ist es wiederum Prinzessin Charlotte von Württemberg (1807-1873), die Großfürst ­Michael von Russland heiratet und den Namen Helena Pawlowna annimmt. Und zuletzt wird Großfürstin Wera (1854-1912), die Nichte Olgas, aus St. Petersburg an den Stuttgarter Hof geholt und heiratet später Herzog Eugen von Württemberg.

Fünf Frauen, fünf Bühnen, eine Schau – die sich hauptsächlich auf die Originale stützt, Politik über Alltagsgegenstände erfahrbar macht.

Was ist von den Frauen, deren Leben und Wirken in der damaligen Zeit und darüber hinaus zu erfahren?

Was folgt dem Staunen der jungen Württembergerin Sophie Dorothee am russischen Hof?
Was bringen Katharina und Olga mit nach Württemberg? Wie erlebt Charlotte von Württemberg, die als Helena Pawlowna einen Salon internationaler Geistesgrößen führt, die Widersprüche Russlands?
Und wie anders als die der Repräsentation verpflichteten Olga nimmt die Herzogin Wera (adoptiert von ihrer Tante Olga) Ende des 19. Jahrhunderts die Zeichen einer neuen Zeit nicht nur in Württemberg wahr?

Alle fünf Frauen engagieren sich sozial.

Sophie Dorothee (Maria Fjodorowna) unterstützt Armenküchen und Waisenhäuser.

Charlotte Marie (Helena Pawlowna) treibt soziale Reformen voran, setzt sich für die Abschaffung der Leibeigenschaft ein und organisiert Hilfen für Kriegsopfer.

Auch als Katharina nach Stuttgart kommt, regiert der Hunger im Land. „Die halbe Bevölkerung schlich bettelnd umher, eine hohläugige, zerlumpte, sieche Armee des Hungers“, heißt es da. Sie gründet einen Wohltätigkeitsverein und das erste moderne Krankenhaus.

Zur zentralen Figur wie auch der Verbindung zwischen den Romanows und Württemberg aber wird Königin Olga. In allem den Anspruch des Souveräns wahrend, setzt sie doch zugleich Marksteine sozialer Verbesserungen. Heil- und Pflegeanstalten für behinderte Kinder, Blinden- und Sanitätsvereine, Krankenhäuser – nicht zu vergessen jenes für Kinder, das „Olgäle“  wurden von ihr installiert.
Ihre Ankunft in Stuttgart wird 1846 zum öffentlichen Beweis des Zarenglanzes. Allein die Mitgift von Olga ist unglaublich prächtig. 300 Kisten wurden aus Russland mit dem Schiff verschickt, über den Rhein nach Mannheim und von dort weiter über Land nach Stuttgart. Darin Kerzenhalter, Kannen und Schalen, Reiseservice und Schreibtischgarnitur, Schätze aus Gold, Silber, Lapislazuli, Rosenquarz und Malachit.

Herzogin Wera galt als gesellig und gesprächig. Sie war sehr beliebt beim Volk, insbesondere da sie sozial sehr engagiert war. So unterstützte sie 30 verschiedene soziale und kulturelle Einrichtungen. Zu diesen Einrichtungen gehörten unter anderem das von ihr gegründete Wera Heim für unverheiratete, werdende Mütter, das Karl-Olga-Krankenhaus und die Nikolauspflege für Blinde.

Das Ende dieser unglaublichen Familiengeschichte zwischen den Romanows und dem Hause Württemberg:

Am 2. März 1917 unterzeichnet Zar Nikolaus II. die Abdankungsurkunde, am 30. ­November 1918 gibt in Württemberg Wilhelm II. seinen Rückzug vom Thron bekannt. Gewaltsame Revolution in Russland und Wandlung in einen „Freien Volksstaat“ in Württemberg waren das Ende.