„(un-)erwartet“ – Die Kunst des Zufalls“

Zufälle, gibt es sie – oder was ist Zufall?

Meistens versteht man unter Zufall das, was nicht erklärt werden kann, aber möglicherweise doch eintritt. Um dieses Thema handelt diese Ausstellung im Stuttgarter Kunstmuseum.
Eine Gruppe kunstinteressierter Mitglieder des Frauenclubs machte sich am 28. Jan. 2017 auf, um mehr über den Begriff „Zufall in der Kunst“ zu erfahren. Jeder wusste, dass es ein nicht ganz alltägliches Thema ist.

Rund 140 Werke zeigen hier erstmals auf, welche Methoden Künstler in den vergangenen 100 Jahren erfunden haben, um den Zufall auszuloten und kalkuliert einzusetzen.

Justinus Kerner – Höllenbilder

Wer kennt sie nicht die Begriffe, die uns als Zufall erscheinen bzw. diesen erklären sollen: die Klecksographie (oder Faltbilder) von Justinus Kerner sowie das wöchentliche Lottospiel oder andere Glücksspiele.
Wissenschaftler dagegen gehen davon aus, dass es den Zufall nicht gibt. So das Zitat von Albert Einstein „Gott würfelt nicht“. Es soll zeigen, dass in der Natur nichts planlos abläuft.

Der französische Schriftsteller Victor Hugo, der nebenbei auch zeichnete, pflegte die zufälligen Tintenkleckse auf seinen Manuskriptseiten mit Lust herumzupusten, um sie dann mit Pinsel und Feder zu skurrilen Landschaften, Gesichtern oder Figuren auszuzeichnen. “Le Rêve” (Der Traum) heißt ein Blatt aus dem Jahr 1866, das ganz am Anfang der Ausstellung zu sehen ist.


Guillaume Bijl kaufte für seinen “Stuttgarter Souvenir Shop“ 1996 all das, was er in Stuttgart finden konnte – eine zufällige Ansammlung wie, Zinnbecher, Wandteller und Schneekugeln, Schnapsgläschen und Spätzlebrett, die so zufällig gar nicht ist. Schließlich haben Marketingstrategen diese Souvenirs einst sehr bewusst auf den Markt gebracht.

 

 

Dürers Magisches Quadrat

Vera Molnár interessierte sich für den mathematischen Aspekt des Zufalls anhand des „Magischen Quadrates“ von Dürer.

Die Ausstellung lädt nicht nur zum Anschauen sondern auch zum Ausprobieren ein. Die Gruppe konnte am “Esstisch” von Dieter Hacker mit Schokoladenlinsen (zum Verzehr) zufällige Muster in einer Rasterstruktur legen.

Am Ende der Ausstellung stellt Ben Vautier die entscheidende Frage: „Zufall oder Kunst?“ – und liefert auf einer weiteren Texttafel die Antwort: „Zufall existiert nicht.“ Diese Arbeit hat er gemacht, um den Terrorangriff von Nizza (15. 7. 2016) zu verarbeiten.

Blick vom Kunstmuseum auf den Schloßplatz