Clara-Zetkin-Haus und Fernsehturm

Der Frauenclub startete am Samstag, den 17. Sept. 2016 zu einem besonderen Ausflug. Bei strahlendem Spätsommerwetter gings per S- und U-Bahn nach Stuttgart-Sillenbuch zum Clara-Zetkin-Haus und anschließend wurde das frisch renovierte Stuttgarter Wahrzeichen – der Fernsehturm – besucht.

Ein kurzer Artikel soll etwas über die Person Clara Zetkin aufzeigen. Das Ehepaar Tetzlaf erzählte während des Mittagessen die Lebensgeschichte dieser besondern Frau und vor allem ihre Rolle für die Emanzipation der Frauen.

Clara Zetkin – Rebellin, Feministin, Internationalistin, Kommunistin

Clara-Zetkin
Clara Zetkin in den 1920er Jahren, während ihrer Zeit als Reichstagsabgeordnete in der Weimarer Republik

Clara Zetkin wurde am 5. Juli 1857 im sächsischen Wiederau geboren, dort lernte sie schon früh die Not der arbeitenden Menschen kennen. Sie war die älteste Tochter des Dorfschullehrers Gottfried Eißner und seiner Frau Josephine. Für Mädchen war es damals nicht üblich, eine bessere Ausbildung zu erlangen, doch dank der Beziehungen ihrer Mutter konnte Clara ein Lehrerinnenseminar besuchen.

Die Bismarckschen Sozialistengesetze, als Antwort auf das Erstarken der sozialistischen Arbeiterbewegung, sollten Clara entscheidend beeinflussen. Clara kam in Kontakt mit sozialistischen Zirkeln und lernte dort auch Ossip Zetkin, einen russischen Revolutionär, kennen. Ossip Zetkin musste auf Grund der Sozialistengesetze das Land verlassen, Clara folgte ihm 1882 nach Paris.

Das waren entscheidende Jahre für ihre Entwicklung. Sie wurde Journalistin, widmete sich dem Studium der marxistischen Theorie und schrieb Artikel. 1883 kam ihr ältester Sohn Maxim zur Welt, 1 1/2 Jahre später Kostja. Clara und Ossip waren nicht verheiratet, trotzdem nahm sie den Namen Zetkin an. Am 29. Januar 1889 starb Ossip.

1890 kehrte Clara Zetkin nach Deutschland zurück und zog, da Württemberg damals etwas als Preußen war, nach Stuttgart. 1903 bezog sie mit ihrem Mann Friedrich Zundel, einem Maler, ein Haus in Stuttgart-Sillenbuch. Es entstanden neue Freundschaften zu Franz Mehring, Rosa Luxemburg etc. Claras Haus war ein gastfreundliches, weltoffenes Haus, so z.B. auch für internationale Gäste wie Lenin.

Auf der 1. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz (ISF) 1907 in Stuttgart wurde die Forderung nach dem allgemeinen Frauenwahlrecht beschlossen. 1910 wurde auf Claras Betreiben der internationale Frauentag ausgerufen.

1927 übersiedelte sie nach Berlin. Als Alterspräsidentin eröffnete sie den Reichstag am 30. August 1932. Dort hielt sie ihre letzte große Rede, sie klagte den Faschismus an und rief nochmals zur Einheitsfront der Arbeiterklasse gegen den Faschismus auf. Sie verließ Deutschland, wo sie nicht mehr sicher war und lebte fortan bei Moskau. Zum internationalen Frauentag am 8. März 1933 ließ sie es sich nicht nehmen, mit einer Ansprache an die Frauen noch einmal öffentlich aufzutreten. Am 20. Juni 1933 starb Clara Zetkin. Zu ihrer Beisetzung an der Kremlmauer kamen mehr als 400 000 Menschen.

Diese Bilder sind vom Clara-Zetkin-Haus

Im Anschluß des Besuchs des Clara-Zetkin-Hauses wurde der Fersehturm angesteuert. Das Wetter war nach wie vor super und bescherte den Besuchern eine herrliche Rundumsicht. Es ist immer wieder beeindruckend wie schön unsere Heimat ist.

Der Fernsehturm in Stuttgart

stuttgarter-fernsehturmDer weltweit erste Fernsehturm steht in Stuttgart. Seit 60 Jahren trotzt der 217 Meter hohe Turm Wind und Wetter. Dass der erste Turm mit einer Stahl-Betonkonstruktion tatsächlich halten würde, hatten zu Baubeginn nicht alle Stuttgarter geglaubt.
Nach einer Bauzeit von 20 Monaten wurde der Stuttgarter Fernsehturm am 5. Febr. 1956 eingeweiht. Er wurde zu einem Prototyp, den man auf der ganzen Welt nachbaute und weiterentwickelte – von Frankfurt über Dortmund bis Johannesburg und Wuhan in China.
Ursprünglich wollte der Süddeutsche Rundfunk seine Antennen auf einen 200 Meter hohen, mit Drahtseilen gesicherten Eisen-Gittermasten stellen. Der berühmte Stuttgarter Brückenbauer und Statiker Professor Fritz Leonhardt schlug dagegen einen Betonturm vor. Neu an seiner Idee war nicht nur die Konstruktion, sondern der Vorschlag, den Bau auch touristisch und gastronomisch zu nutzen. So entstand ein ästhetischer Turm mit einem fast kreiszylindrischen Korb, der Aussichtsplattform, Gaststätte und  Sendertechnik einschloss. Die Baukosten von 4,2 Millionen Mark amortisierten sich bereits nach fünf Jahren durch die Eintrittsgelder.

Heute gehört der Fernsehturm zu den Wahrzeichen von Stuttgart. Von keinem anderen Punkt Stuttgarts aus ist der Blick auf die Stadt, über die Weinberglandschaft des Neckartales, über das schwäbische Land hinüber zur Alb, zum Schwarzwald und zum Odenwald so beeindruckend wie vom Fernsehturm.

Es war ein Paukenschlag: Im März 2013 musste der Fernsehturm geschlossen werden. Grund: Der Brandschutz entsprach nicht mehr den aktuellen Sicherheitsbestimmungen. Es fehlte an Fluchtmöglichkeiten.
Fieberhaft wurde nach Möglichkeiten gesucht um Möglichkeiten zu Fluchtwegen, Brandschutzmaßnahmen etc. zu finden. Die letztendliche Lösung war, alles was brennbar ist durch andere Materialien zu ersetzen. Viele der Materialien war neu und wurden zum ersten Mal weltweit eingesetzt.
Nach drei Jahren war die Mammutaufgabe geschafft: Am 5. Februar 2016 – kurz nach seiner Wiedereröffnung – feierte der Turm seinen 60. Geburtstag.