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Bildungsreise nach Berlin vom 20. – 23. Februar 2010

   Politische Bildung war diesmal angesagt. Aus diesem Grund trat der Frauenclub zu seiner Reise nach Berlin an. Früh um 6 Uhr am 20. Februar 2010 ging es los. Alle waren startklar und gut gelaunt. Die Reise kam auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Eberhard Gienger zustande und wurde von dessen Büro in Berlin zusammen mit der 1. Vorsitzenden des Frauenclubs, Brigitte Wolf, bestens organisiert und vorbereitet.
   Die Route führte über Nürnberg, Leipzig bis zum ersten Highlight nach Potsdam. Bei kalter Witterung und Schnee ging’s zum „Neuen Palais“. Dies wurde unmittelbar nach dem Siebenjährigen Krieg (1763) gebaut und sollte demonstrieren, dass Preußen trotz der Kriegsfolgen noch nicht am Ende war. Das wuchtige Palais bringt es immerhin auf mehr als 400 Räume. Über schneebedeckte Wege führte der Weg entlang des „Chinesischen Pavillons“ zum „Schloss Sanssouci“. Das Schloss wurde von Friedrich dem Großen als Sommerresidenz gebaut. Im Laufe von zwei Jahrhunderten entstand so eine der schönsten deutschen Schlossanlagen. Nach soviel Baukultur stand der Reisegruppe der Sinn nach einer Tasse Kaffee. Das war mit ein Grund die sehr schön restaurierte Altstadt von Potsdam, heute eine Fußgängerzone, zu erkunden. Anschließend wurden die Zimmer im Hotel in Beschlag genommen. Der erste Tag war vorbei.

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   Der Sonntag begann mit einer sehr interessanten Stadtrundfahrt durch bekannte und weniger bekannte Stadtteile von Berlin. Jeder konnte mit eigenen Augen sehen, wie sich die Stadt seit der Wiedervereinigung verändert hat. Wohnungen wurden gebaut, Häuser sehr schön renoviert, Firmen angesiedelt. Man hatte den Eindruck, dass alles getan wird, um die Stadt nicht mehr als geteilte Stadt erscheinen zu lassen. An manchen Stellen kann man allerdings noch die grausame Vergangenheit sehen. So ist an der Bernauer Strasse noch ein Teil des Todesstreifens zu sehen. Er blieb als Mahnmahl stehen und kann besichtigt werden. Sehr interessant war zu sehen, was man aus einer Schandmauer machen kann. 118 Künstler aus aller Welt haben in der Nähe der Oberbaumbrücke die mit ca. 1,3 km längste Galerie der Welt gestaltet, die „East Side Gallery“. Durch die Stadtteile Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Wedding, Friedrichshain ging’s weiter bis zum Potsdamer Platz. Er war lange Zeit die größte Baustelle Deutschlands und heute einer der modernsten Plätze Berlins. Nach einer kurzen Besichtigung fuhr man am Regierungsviertel, Brandenburger Tor, Neuer Bahnhof über den Ku-Damm am Schloss Bellevue (Amtsitz des Bundespräsidenten) vorbei zum Alexanderplatz bis zum Endpunkt der Rundfahrt, dem Gendarmenmarkt.
   Die nächste Sehenswürdigkeit stand an: Der Besuch bei der berühmtesten Berlinerin – Nofretete – im neu eröffneten „Neuen Museum“. Die Besucher waren sehr beeindruckt von dem sehr schön restaurierten Museumsbau. Der berühmte Architekt David Chipperfield hat den Umbau vorgenommen. Er hat u.a. das LIMO in Marbach gebaut. Nach dem Museumsbesuch hatte jeder noch Gelegenheit die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Der Ausklang des ereignisreichen Tages war das gemeinsame Abendessen in der „Gerichtslaube“ im Nikolaiviertel.

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   Der Montag war dem politischen Programm gewidmet. Als erstes stand der Besuch im „Auswärtigen Amt“ an. Staatsekretär Thomas Scherer begrüßte die Gruppe. Er erläuterte die Aufgaben und Ziele des Ministeriums. Im Anschluss daran entspann sich eine rege Diskussion. Alle waren von der offenen Art von Hr. Scherer angetan. Seine Antworten waren sehr aufschlussreich, unterhaltsam und lebensbezogen.
   Der weitere Weg führte in das  „Bundesministerium für Arbeit und Soziales“. Das Ministerium ist in einem sehr geschichtsträchtigen Bau untergebracht. Hier hat von 1933 bis 1945 Joseph Göbbels als Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda im damaligen Prinz-Friedrich-Leopold-Palais seinen Amtssitz. Das Besucherzentrum ist im sogenannten Kleisthaus untergebracht. Hier hatte Heinrich von Kleist von 1810 bis zu seinem Tode 1811 ein möbliertes Zimmer. Auch in diesem Ministerium wurde nach einer Erläuterung über dessen Aufgaben und Struktur angeregt diskutiert. Leider war die Zeit für alle Fragen zu kurz.
   Der Nachmittag war dem Bundestag und dem Besuch beim MdB Eberhard Gienger gewidmet. Nach einer Einladung zum Mittagessen im „Paul-Löbe-Haus“ in unmittelbarer Nachbarschaft des Reichstages wurden die Besucher im Plenarsaal begrüßt und über alle wichtigen und interessanten Dinge unterrichtet und aufgeklärt. So konnte sich jeder einen Eindruck über das hohe Haus verschaffen. Der nächste Programmpunkt war der Besuch bei Eberhard Gienger. Er kam direkt aus Vancouver (Kanada) von den olympischen Winterspielen. Er erzählte über seinen Tagesablauf und seine Aufgaben als Abgeordneter. Da er u.a. für Energiefragen zuständig ist, entspann sich eine angeregte Diskussion. Dieses Thema betraf doch viele. Nach einem langen Tag im politischen Berlin mit vielen Eindrücken schloss die Gruppe ihren Besuch auf der Kuppel des Reichtages mit einem Blick auf das nächtliche Berlin ab.

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   Der Dienstag sah als ganz besonderen Punkt den Besuch der Gedenkstätte „Ehemaliges sowjetisches Speziallager und Untersuchungsgefängnis der STASI“ in Berlin-Hohenschönhausen vor. Schon die Ansicht des grauen Baues von außen erzeugte eine Gänsehaut. Zwei ehemalige Insassen, Wolfgang Warnke und Norbert Krebs, erzählten unaufgeregt aber sehr eindringlich die Geschichte des Gebäudes, ihrer Häftlinge und deren Behandlung. Es war erschütternd zu hören und zu sehen, was Menschen anderen Menschen antun können, nur weil sie anderer Meinung sind und doch nichts außer Freiheit wollen.
Hier eine Kurzinfo über das Gefängnis:
Auf dem Gelände war ursprünglich eine Großküche der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV). Der 1939 errichtete Bau wurde 1945 von den Sowjets zum „Speziallager Nr. 3“ umfunktioniert. Von hier aus wurden ca. 20 000 Gefangene in andere sowjetische Lager transportiert. Die Bedingungen waren katastrophal. Zeitweise waren über 4 200 Menschen zusammengepfercht. Die Verliese waren mehr als überbelegt. Nach offiziellen Angaben starben ca. 880 Menschen, Schätzungen gehen von über 3 000 Toten aus. Die Insassen waren alle sogenannte politische Gefangenen.
Nach der Gründung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR übernahm dieses das Gefängnis. Ende der fünfziger Jahre wurde ein Neubau für mit 200 Zellen und Vernehmzimmern errichtet. Der riesige Gefängniskomplex war Teil eines weitläufigen, geheimen Sperrbezirks, den zu DDR-Zeiten kein normaler Bürger betreten durfte. Erst die friedliche Revolution im Herbst 1989 führte zur Auflösung der Stasi und seiner Gefängnisse. Die letzten Gefangenen wurde kurz vor Weihnachten 1989 freigelassen.
Im Oktober 1990 wurde das Gefängnis geschlossen. Die weitläufige Haftanstalt wurde 1992 unter Denkmalschutz gestellt und später zur Gedenkstätte gestellt.

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Bilder vom Stasi-Gefängnis in Berlin Hohenschönhausen

2010-02-23-0750 Landesvertretung BW
Fr. Bodmer und Brigitte Wolf

Nach diesem bedrückenden Abschluss der Besichtigungstour wurde der letzte Programmpunkt angepeilt. Man war in der Landesvertretung von Baden-Württemberg eingeladen. Bei Mautaschen und Weinen aus Baden und Württemberg wurden die Aufgaben, Feste, Ausstellungen und sonstigen Aktivitäten anschaulich erklärt. Nach einem Rundgang durch das sehr schöne Gebäude war es Zeit die Heimreise anzutreten.

2010-02-23-0770 Landesvertretung BW
vor der Landesvertretung Baden-Württemberg

Der Frauenclub hatte wieder einmal ein ereignisreiches Wochenende organisiert und ist seiner Aufgabe, Information, Kultur und Bildung zu vermitteln, nachgekommen.