Alt-Stuttgart 2012

  

Stadtführung Alt-Stuttgart mit Weihnachtsmarkt


   Es war eine gute Idee von Mirjam Schmidt eine Stadtführung durch  Alt-Stuttgart zu machen und mit dem Weihnachtsmarkt zu verbinden. Man traf sich am Dienstag, den 4. Dezember 2012 im Innenhof des Alten Schlosses um anschließend  einen Überblick  über das alte Stuttgart zu erhalten. Die Vereinsmitglieder kennen alle Stuttgart, jedoch mit Sicherheit  nicht alle Geschichten und Anekdoten, die diesen Abend erzählt wurden.

Der Weg führte vom Alten Schloß, Markthalle, Bunkerhotel unter dem Marktplatz, Stiftskirche, Hutzelmännle am Fruchtkasten über den Weihnachtsmarkt zur Abschluss am Alten Bahnhofsgebäude in der Bolzstraße.
Man kann mit Fug und Recht sagen, dass für Jeden etwas Neues dabei war. Mit der Aussage, dass man später eine andere Stadtführung durch das unbekannte Stuttgart machen will, verabschiedete man sich, um in kleineren Gruppen noch über den Weihnachtsmarkt zu schlendern.

Dies waren die einzelnen Stationen:

Altes Schloss

Exif_JPEG_PICTURE
der Innenhof im Alten Schloß

Die erste Burganlage gab es bereits um 950 zum Schutz des Stutengartens. Im 14. Jahrhundert wurde sie Hauptsitz der Grafen Württembergs. Die Herzoge Christoph und Ludwig ließen sie von 1553 bis 1578 zu einem Renaissance-Schloss ausbauen. In diese Zeit fällt ebenfalls der Bau der Reitertreppe von Blasius Berwart 1560, die Einweihung der Schlosskirche 1562 und die Ausgestaltung des Konferenzsaales. Die Wassergräben um das Schloss wurden im 18. Jahrhundert beseitigt.
1931 brannte ein Teil der Anlage aus. Noch bevor der Wiederaufbau abgeschlossen werden konnte, wurde das Schloss im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Der Wiederaufbau dauerte bis 1971.
Im Schloss ist heute das Landesmuseum Württemberg. Unter der Schlosskirche ist in der Königsgruft von König Karl I. und Königin Olga. Im Innenhof steht das Reiterstandbild Graf Eberhards im Bart, der 1495 erster Herzog von Württemberg wurde und Stuttgart zur Residenz machte.
Hier befindet sich auch eine Stauffenberg-Erinnerungsstätte an den am 20. Juli 1944 hingerichteten Widerstandskämpfer Claus Graf Stauffenberg, welcher hier seine Kindheit verbracht hat.

Markthalle

Exif_JPEG_PICTURE
vor der Markthalle

Zum ersten Mal wird Mitte des 13. Jahrhunderts ein forum mercatorium, also ein Handelsplatz, urkundlich erwähnt. Bis ins 19. Jahrhundert diente in der Folge das von Graf Ludwig im Jahr 1435 erbautes fürstliches Rathaus mit seiner Fruchtschranne und den Fleisch-, Brot- und Salzlauben für den Handel.
Als das Haus 1820 abgebrochen wurde, stiftete König Wilhelm I. eine zeitgemäße Markthalle, damit „die Frauen und Töchter unserer Wengerter, geschützt vor den Unbilden der Witterung, ihre Produkte feil bieten können.“
Die damals hochmoderne Eisenkonstruktion mit Glasdach war aber schnell zu klein. So wurde 1911 der Beschluss gefasst, eine neue Markthalle an zentraler Stelle zu errichten. Sie wurde 1911 bis 1914 von Martin Elsaesser gebaut. Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Markthalle wieder aufgebaut und 1953 vollständig in Funktion genommen und steht seit 1972 unter Denkmalschutz.

Bunkerhotel

Exif_JPEG_PICTURE
eng ist es im Bunkerhotel unter dem Marktplatz

Das Hotel in bester Innenstadtlage hatte eigentlich alles, was ein Reisender braucht. Nur etwas Essenzielles fehlte: Rausschauen konnte man nicht aus dem fensterlosen Bunkerhotel unter dem Stuttgarter Marktplatz. 1985 sind auch drinnen die Lichter ausgegangen.
Das Bunkerhotel ist wohl mit Abstand das kurioseste, was Stuttgart je besessen hat. Wer heute die dreißig Treppenstufen fünf Meter in die Tiefe hinabsteigt, findet die ehemalige Unterkunft wenig komfortabel vor: Blümchentapeten wellen sich von den Wänden des alten Bunkerhotels, Kacheln bröckeln, und in den Gängen wuchert der Schimmel.
Die 2000 Quadratmeter große Anlagewurde 1940 gebaut. Die Stadt plante einen Bunker für 3000 Menschen.  Als der Bunker seinen Zweck erfüllt hatte, umgaben ihn nur noch Ruinen. Weil nach dem Krieg akute Wohnungsnot herrschte, pachtete die Familie Zeller das Bauwerk und machte aus ihm das erste Bunkerhotel Deutschlands – neunzig Gästezimmer. Für Individualität war selbst im kleinsten Bunkerloch Platz: Hannelore Zeller hatte die Zimmer mit verschiedenen Tapeten und Lampenschirmen ausgestattet.

Exif_JPEG_PICTURE
eines der alten Tapetenmuster

Mittlerweile sind sie zu stillen Zeugen des Kulturwandels geworden.
1946 kostete die Übernachtung 4,40 Reichsmark, das Frühstück 2,65. Prominente Gäste wie die Filmstars Hans Albers oder Margot Hilscher sowie der Schriftsteller Wolfgang Koeppen haben darin übernachtet.
Gelohnt hat sich der Hotelbetrieb offenbar bis 1985, denn erst angesichts drohender Renovierungskosten in Höhe von zwei Millionen D-Mark wurde das Hotel geschlossen.
Nur selten wird das Hotel für ein paar Stunden geöffnet, zum Beispiel für eine besondere Stadtbesichtigung wie unsere – fünf Meter unter der Stuttgarter Erde.

Stiftskirche

Exif_JPEG_PICTURE
Westturm der Stiftskirche

Die  Stiftskirche ist die Hauptkirche der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und Pfarrkirche innerhalb des Kirchenkreises Stuttgart.  Der untere Teil des Südturms stellt das einzige erhaltene bauliche Zeugnis der Stauferzeit in Stuttgart dar. Mit ihren beiden ungleichen Türmen ist sie eines der Wahrzeichen der Stadt.
Im Juli und im September 1944 wird die Stiftskirche durch Bombenangriffe schwer zerstört. Sie wurde in den 1950er Jahren vereinfacht wiederaufgebaut. Begründet durch statische und akustische Probleme mit der Bausubstanz aus der Nachkriegszeit begann im Jahre 1999 ein Umbau des Innenraums.

Hutzelmännle am Fruchtkasten

Exif_JPEG_PICTURE
Skulptur des Hutzelmännles

An einer Ecke des ehemaligen Fruchtkastens sieht man die Skulptur des Hutzelmännles und des dazugehörenden Gedichtes:

 

 

Exif_JPEG_PICTURE
Gedicht am Fruchtkasten

Ein Kobold gut bin ich bekannt
In dieser Stadt und weit im Land;
Meines Handwerks ein Schuster war
Gewiß vor siebenhundert Jahr.
das Hutzelbrod ich hab erdacht,
Auch viel seltsame Streich gemacht.

 

Hier ist die Geschichte des Hutzelmännles in der Kurzfassung:

   „Als Seppe seinen ungnädigen Meister verlässt und auf Wanderschaft geht, schenkt ihm der Hutzelmann ein magisches, weil sich ständig erneuerndes Hutzelbrot. Seppe bekommt zudem zwei paar rotgefütterte Glücksschuhe: Ein Paar solle er am Weg stehen lassen, in dem ihm einst sein zukünftiges Glück begegne, sagt der Hutzelmann, dem er als Gegengabe nur ein Klötzle Blei von Blaubeuren mitbringen soll. Dass Seppe den einen Schuh verwechselt und fortan durch die Handlung humpelt, ist nur eines der erstaunlichen Missgeschicke, die er auf seinem Weg über die schwäbische Alb und in Ulm bei der mordlustigen Gundel erlebt. Und als Seppe endlich wieder daheim und in Stuttgart ist, wird alles, alles gut, Vrone hat das zweite Paar Glücksschuhe an, die beiden treffen sich balancierend auf dem Seil, und dort verloben sie sich.”

Wenn  jemand die ganze Geschichte in Schwäbisch nachlesen will, hier ist der Link dazu:

http://als.wikipedia.org/wiki/Das_Stuttgarter_Hutzelm%C3%A4nnlein

Hier ein kleiner Ausschnitt:

Uf Wandrschaft

   Dr Stuegerter Schuastrgsell Seppe vorstoht sich et mit seim Moischtr ond deam seim Weib. Drom kindigt’r sein Denscht. Er hot vor, ibr d Schwäbisch Alb z wandret, z erscht amol noch Ulm ond nô villeicht noh noch Augschburg. Wia-nr e dr letschda Naacht alloi e dr Gsellakammr sitzt, solang de andre Gsella e dr Wirtschaft zechet, stoht uf oimol a gleis Mennle vor-em, wo-nem grad amol bis zo seim Girtl goht. Der Kerle griaßt en ganz freindlich mit seim Nama ond schenkt em zwoi Baar Glicksschua ond a Loible Hutzlbrot. Er biddet en, des zwoide Bärla Schua ondrweags irgendwo an da Stroßarand z stellet, wenn grad neamert zuaguckt. Beim Hutzlbrot soll’r ufbassa, dass’r’s nia ganz ufisst, denn wenn’r emmr a bissle drvo ibrig loot, no wuud am andra Dag wiidr a ganz Loible draus. Zom Schluss biddet des Mennle da Seppe noh, falls’r uf seira Wandrong noch Blaubeira komma ond deet a Gletzle Blei fenda dät, noh soll’r’s ufhebe ond zo ehm noch Stuegert brenga…….

Alter Bahnhof – Ursprung des UFA-Palastes

Alter-Stuttgarter_Bahnhof-um-1910
der Alte Bahnhof um 1910

An der heutigen Bolzstraße in Stuttgart entstand 1844/46 auf dem damals vorstädtischen und unbebauten Gelände der erste Bahnhof durch Karl Etzel. Schon bald zu klein, erfuhr er 1864/67 eine Erweiterung durch Georg Morlock und Adolf Wolff. Neben dem Bahnhofsgebäude von Etzel, der anschließend nur noch als Verwaltungsgebäude diente, erbauten Morlock und Kollegen eine neue Schalterhalle mit Kuppelgewölben und Neurenaissance-Fassade, die durch fünf große Rundbögen ausgezeichnet ist.
Dieser wesentlich vergrößerte Bahnhof war Ende des 19. Jahrhunderts wiederum zu klein. Da in seiner direkten Nachbarschaft keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr bestanden, baute man schließlich den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof, der 1922 fertig wurde.
Mit der Eröffnung des neu erbauten Hauptbahnhofes stand das alte Bahnhofgebäude an der heutigen Bolzstraße leer. Auf seinem Areal sollten nach Vorstellung der städtischen Behörden Geschäftshäuser entstehen und somit wurde nach der Bauausstellung 1924 entsprechend dem neuen Bebauungsplan der Westtrakt, der Mittelbau bis auf die repräsentative Hauptfront (Erhalt von drei Arkaden der alten Bahnhofsmittelhalle) und der Osttrakt bis auf den Kopfbau abgebrochen. Die verbliebene alte Gebäudesubstanz wurde Bestandteil des 1925/26 errichteten “UFA-Palastes”.

« 1 von 3 »