2. Reise nach St. Petersburg

vom 26. – 30. Juni 2013

Vom 26. – 30. Juni 2013 unternahm der Frauenclub eine Reise auf Einladung der Stadt St. Petersburg. Der Kontakt zum Frauenverein  „Perspektiva“  aus St. Petersburg  wurde bereits vor einem Jahr aufgenommen, als drei Vorstandsmitglieder beim 25-jährigen Vereinsjubiläum in Rielingshausen dabei waren. Die städtische Projektgruppe   „Peace and Conciliation“ (Frieden und Versöhnung) hat sich dann in St.Petersburg  auch der Freundschaft angeschlossen.

Die Begrüßung am Flughafen war überaus herzlich. Wir waren in einem Hotel in der Innenstadt von St. Petersburg untergebracht. Die Stadtverwaltung St. Petersburg stellte für die ganze Reise den Bus und kam auch für die Kosten der deutschsprachigen Reiseleiter und Simultan-Übersetzer auf. Trotz unserer zeitlichen Verzögerung, infolge eines fehlenden Gepäckstücks, machten wir am Abend eine Schifffahrt auf der Neva.  Man genoss dabei die beeindruckende Kulisse der Paläste und vornehmen Stadthäuser direkt am Fluss. Die Neva ist der größte Fluss in St. Petersburg. Sie ist nur 74 km lang, ca. 600 Meter breit, jedoch bis 38 Meter tief. Der Fluss hat eine starke Strömung, und ein gewaltiges Wasseraufkommen,  einer der wasserreichsten Flüsse Europas. Die Flüsse und Kanäle sind mit mehr als 100 Brücken überspannt.  In der Nacht werden die Brücken hochgeklappt, damit auch die Ozeanschiffe und vor allem die Kreuzfahrtschiffe einfahren können.

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Am 27. Juni 2013 führte uns der Weg, gemeinsam mit Damen beider Vereine, nach Vyborg, welches ca. 200 km entfernt, nördlich von St. Petersburg, direkt am Finnischen Meerbusen kurz vor der finnischen Grenze liegt. Hier führte uns unser Weg auf das Rathaus, wo wir schon erwartet wurden. Empfangen wurden wir dort von der stellvertretenden Bürgermeisterin Svetlana Nerushay und einigen Damen der Verwaltung und des Rates der Stadt. Nach einer interessanten Vorstellung der Stadt Vyborg mit einer Videoschau,  wurde von Brigitte Wolf kurz die Stadt Marbach vorgestellt, sowie  der Frauenclub. Auch wurden mitgebrachte Bilder der Sehenswürdigkeiten von Marbach verschenkt. Ebenso  Bildbände der Stadt Marbach und von Stuttgart und extra angefertigte Kalender, welche sowohl die Sehenswürdigkeiten von Marbach und Rielingshausen, wie auch die Mitglieder des Frauenclub als „schmückendes Beiwerk“ zeigen. Man sprach über die sozialen Projekte auf beiden Seiten, stellte Gemeinsamkeiten aber auch  unterschiedliche Problematiken fest.

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Danach ging es zu einem Wachturm, welcher heute ein sehr schönes Restaurant beherbergt, zum Mittagessen. Uns wurden dann die Hauptsehenswürdigkeiten der alten Stadt gezeigt, wie der Marktplatz, die alten Türme, die Häuser und natürlich die alte Burg, das wohl imposanteste Gebäude von Vyborg, auf einer Insel gelegen. Die Anlage der alten Stadt und der Burg, einer gewaltigen Festungsanlage, geht auf die Zeit des 11. Jahrhunderts zurück, als die Schweden Nordkarelien besetzt hatten. Unter Peter dem Großen wurde die Stadt 1706 von den Russen erobert, nach dem 1. Weltkrieg von den Finnen, dann wieder 1923 von den Russen, 1941 von den Deutschen, nach 1944 ist es wieder Russisch. Eine sehr bewegte Geschichte, welche die Stadt geprägt hat.

Anschließend besichtigten wir den „Monrepos-Park“ mit den kümmerlichen Resten des Schlosses „Monrepos“. In diesem Schloss lebte bis 1788 der Württembergische Prinz Carl Friedrich, der spätere König Friedrich I. von Württemberg. Er war dort Statthalter für den russischen Zaren.  Das Schloss wurde am Ende des Krieges stark beschädigt und trotzdem sieht man sofort die Ähnlichkeit mit dem Schloss „ Monrepos“ in Ludwigsburg. Das Schloss und der Park liegen direkt an der Ostsee am baltischen Meer oder Finnischen Meerbusen. Natürlich genoss die Reisegruppe diese Aussicht und das „Wasserplantschen“. Durch riesige Wälder, einige von uns haben beim Fahren Elche gesehen, ging es zurück nach St. Petersburg.

Am Freitag unternahm man eine ausführliche Stadtrundfahrt. So wurde z. B. die Issak- Kathedrale und die „Heilig Blut Kirche“ besichtigt. Diese Kirche dient als Gedächtniskirche für den Zaren Alexander II., der an dieser Stelle einem Attentat zum Opfer fiel.
Wir besuchten die Peter-Paul-Festung. Hier fand die Gründung der Stadt im Jahre 1703 durch Peter den Großen statt. Begeistert waren wir hier auch von der wundervollen Kirche die im russischen Barockstil erbaut ist. Sehr zu unserer Freude bekamen einige mit, dass aus einem Nebenraum  Gesang  ertönte. Welche Freude einen russischen Sakral Chor mit unvergesslichen Stimmen zu hören.

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Am Samstag, es herrschten ähnlich heiße Temperaturen wie an den Vortagen, besuchten wir die „Eremitage“ den ehemaligen Winterpalast des Zaren. Die Eremitage ist die Kunstausstellung, Gemäldeausstellung der Stadt St. Petersburg und von Russland. Kunstschätze von unermesslichem Wert und Schönheit sind dort in Dauerausstellung zu sehen. Um alles sehen zu können, würde man bei täglichem Besuch, mehrere Wochen brauchen. Wir waren tief beeindruckt von der Pracht des Gebäudes und von den Gemälden und Kunstschätzen, welche wir in einer 2-stündigen Führung sehen konnten.

St.Petersburg
der Komplex der Eremitage: von links nach rechts: Eremitage-Theater – Alte Eremitage – Kleine Eremitage – Winterpalast (die “Neue Eremitage” liegt hinter der Alten Eremitage)
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Um 16.00 Uhr gab es in einem Gebäude der Stadt St. Petersburg einen Empfang und eine „Konferenz“ mit dem Namen „Russisch-deutsche Verschmelzung und Beeinflussung der Kulturen“.
Von russischer Seite waren die Rednerinnen u.a. eine Professorin für Geschichte der St. Petersburger Universität. Für die Begrüßung und Rede – sogar in deutscher Sprache -, sorgte Frau Vera Brovkina, eine ehemalige leitende Mitarbeiterin  von St. Petersburg und heutige Stadträtin, zuständig für das „Saint-Petersburg Council for Peace and Conciliation“.

Die 1. Vorsitzende des Frauenclubs Rielingshausen, Brigitte Wolf, wurde schon im Vorfeld zu einem Beitrag – einer Rede mit dem Thema –  aus der Sicht der Deutschen aufgefordert. Da man aus Baden-Württemberg kommt, ist sie dabei auf die Verknüpfung und familiären Kontakte des Hauses Württemberg mit dem Hause Romanow, dem Zarenhaus von Russland, eingegangen.
Zur Erwähnung kamen König Friedrich I. und seine Schwester, die Zarin Maria Federowna, die Gattin Paul I. von Russland. Die württembergische Königinnen Katharina und Olga, sowie die Herzogin Wera. Alle waren russische Großfürstinnen vor ihrer Heirat und kamen an den Königshof nach Württemberg. Wera kam als Adoptivtochter von Königin Olga und König Karl in das Württembergische Königshaus. Brigitte Wolf ging  noch auf die sehr spannenden und inspirierenden Verbindungen in Bezug auf Bildende Kunst, Literatur, Philosophie, Musik und Ballett zwischen beiden Ländern ein. Die Konferenz stand im Zusammenhang mit der von Ministerpräsident Putin und Kanzlerin Merkel  eröffneten Sonder- Ausstellung „ Deutsche in Russland“.
Anschließend gab es in den sehr festlichen Räumen, im russischen Barockstil, von livrierten Obern gereichte Speisen und Getränke. Nun wartete ein besonderer Leckerbissen auf uns. Sieben junge Studentinnen der Musikakademie von St. Petersburg sangen Lieder aus 13 verschiedenen Stilrichtungen von klassisch russisch bis modern. Wir waren begeistert.

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Am Sonntagvormittag ging es einschließlich der Koffer, mit dem Bus zum Stadtteil „Puschkin“, wo wir den „Katharinenpalast” besuchten. In diesem Palast befindet sich auch das legendäre, wieder hergestellte Bernsteinzimmer.  Alles  war wunderschön und sehr beeindruckend.
Nachher machten wir einen Sparziergang im großzügigen, weiträumigen Park mit den vielen kleineren Palastanlagen, Seen und den Skulpturen.
In Puschkin direkt besuchten wir in eine russisch-orthodoxe Kirche und sahen uns die Stadt mit ihren Gebäuden aus verschiedenen glanzvollen Epochen an. Sie dienten in der Vergangenheit  als Wohnstatt für die Leute bei Hofe. Die Stadt feierte einen Tag zuvor ihren 3oo. Geburtstag.

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Erwähnenswert ist die Tatsache, dass wir bei unserer  Reise die Zeit der Mittsommernacht erlebten. So wurde es zwar dunkler von 24 Uhr bis 3.00 Uhr, aber nicht Nacht.

Nach herzlichem Abschied und Dankesworten für die großartige Organisation verließen wir  am Nachmittag die Stadt und Region St. Petersburg mit dem Flugzeug Richtung Heimat.

Der Einladung des Frauenclubs möchten die Freunde aus St. Petersburg und Vyborg Anfang Juni nächsten Jahres gerne nachkommen.

So klang es beim Abschied     – auf Wiedersehen in Marbach -.

Hier der Link zum Artikel der Marbacher Zeitung (9. 7. 2013): Gemeinsames und Unterschiedliches entdeckt