1. Reise nach St. Petersburg 2003

Reise nach St. Petersburg vom 9. – 14. Juli 2003

St. Petersburg, die einstige glanzvolle Zarenresidenz an der Newa, feiert dieses Jahr ihren 300. Geburtstag. So zog es auch eine Gruppe des Frauenclubs Rielingshausen an die Newa. Eine andere Stadt besuchte der Club anlässlich dieser Reise. Es war dies im Jubiläumsjahr “Staraja Ladoga“, welche auf eine 1250-jährige Geschichte zurückblicken kann. Sie beherbergt die einzige erhaltene Festungsanlage aus dem 11. bis 13. Jahrhundert im Norden von Russland.

St. Petersburg ist ein einziges gigantisches Museum, erbaut von den besten Baumeistern Europas im 18. und 19. Jahrhundert. In vielen Reiseführern hatten wir es gelesen, dass die Paläste, welche wie Perlen am Flussufer der Newa aufgereiht in italienisch-barockem bis klassizistischem Stil erbaut, auch heute noch das Stadtbild der Altstadt prägen. Die Paläste glänzen pastellfarben in pistaziengrün, veilchenblau, gelb mit weiß, manchmal orange mit rot. Dazwischen ragen blitzend die goldenen Kuppeln der zahllosen Kirchen und die Turmspitze der Peter-Paul-Festung sowie der Admiralität empor. Da es auch die Stadt der vielen Brücken ist, ist dieser Anblick malerisch.

Über 70 Jahre Sowjetherrschaft und die Verlegung der Hauptstadt nach Moskau haben den Glanz der alten Zarenstadt abbröckeln lassen. Jetzt, zum 300-jährigen Stadtjubiläum, erstrahlt schon vieles wieder im alten Glanz. Vieles hielt dann aber einem genaueren Betrachten nicht stand.

St. Petersburg besteht natürlich nicht nur aus den Pracht- und Palaststraßen. und den Stadtvierteln der Reichen, sondern auch aus Hinterhöfen und den vielen Neubausiedlungen. Dort zeigt sich ein völlig anderes Bild von Russland. Trostlosigkeit, Armut, Straßenkinder und Schmutz sind dort anzutreffen.

In drei Tagen besuchten wir neben allen sehenswerten Punkten, Palästen, Brücken und Plätzen, modernsten Kaufhäusern der Stadt, speziell einige Sehenswürdigkeiten. Besichtigt wurde natürlich die weltberühmte Eremitage. Es ist eine der bedeutendsten Kunstsammlungen und Gemäldeausstellungen der Welt und befindet sich im Winterpalast der Zaren. Insgesamt sind in St. Petersburg in 50 Museen etwa 14 Mio. Exponate aus verschiedenen Jahrhunderten ausgestellt. Nach unserem 2-stündigen Rundgang durch die Eremitage kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Man könnte Stunden, ja Tage, darin wandeln ohne sich satt zu sehen. Es gibt alleine in der Eremitage, dem Winterpalast, 400 Räume zu besichtigen. Katharina II., auch die Große genannt, hat durch ihre Sammelleidenschaft und ihr Kunstinteresse den Grundstein zu dieser bedeutenden Sammlung gelegt.

Mit großer Spannung und Erwartung besuchten wir den Katharinenpalast, außerhalb im St. Petersburger Vorort Puschkin, früher Zarskoje Selo gelegen. Wir hatten genügend Zeit, da Schlangestehen vor dem Eingang zur Tagesordnung gehört, die Pracht und Schönheit, dieses riesigen Palastes mit den wunderschönen Anlagen zu bewundern, bis wir endlich ans Ziel unserer Wünsche, in das legendäre Bernsteinzimmer gelangten. Es wurde erst vor einigen Wochen nach jahrzehntelanger Neuanfertigung nach alten Vorlagen eingeweiht. Wir waren von der Schönheit und Leuchtkraft des in verschiedenen Schattierungen schimmernden Bernsteins hellauf begeistert. 1716 schenkte der preußische Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. Zar Peter I. ein Bernsteinzimmer. Im Gegenzug erhielt dieser 55 “Lange Kerls” für seine Garde als Geschenk. 1941 wurde das Schloss durch deutsche Soldaten schwer beschädigt, das Bernsteinzimmer ausgebaut und nach Königsberg verbracht. Dort verliert sich bis heute seine Spur.

Einen schönen Ausflug zum finnischen Meerbusen und Spaziergang durch den Palast “Peterhof” und die herrlichen Parkanlagen mit seinen 300 Springbrunnen haben wir am letzten Tag unseres Aufenthaltes unternommen. Das prachtvolle Schloss, die herrlich ausgestatteten Räume im Barockstil, haben uns überwältigt. Die Rückfahrt führte vorbei am Amtssitz des Präsidenten von Russland und zahllosen Neubauten der reichen Oberschicht von St. Petersburg.

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Am Samstag sind wir in Begleitung von Prof. Lovkianov und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Katja Maslenok von der Technischen Universität von St. Petersburg, Richtung Murmansk bis nach Staraja Ladoga gefahren. Nach 3 1/2 Stunden erreichten wir durch endlose sumpfige Birkenwälder, die am Fluss Vulko gelegene Kleinstadt.

Dort angekommen ging es direkt ins Rathaus, wo wir von der Bürgermeisterin der Stadt, sowie der Vorsitzenden des dortigen Frauenvereins und weiteren Vertreterinnen empfangen wurden. Danach ging es auf Einladung der Direktorin des Waisenhauses “Hoffnung”, Irina Artemieva, in dasselbige.

Im Oktober 2002 hatte der Frauenclub zusammen mit Prof. Dr. Helmut Sorg aus Marbach, über die Kontakte seines Freundes Prof. Lovkianov diese Kinder besucht und zusammen mit dem Frauenclub Rielingshausen Geld für einen Anbau gespendet. Nun wurden wir von Prof. Lovkianov und der Deutsch-Dolmetscherin Katja dorthin begleitet. Die Kinder erwarteten uns schon und führten russische Tänze auf, sangen Lieder ihrer Heimat und spielten Instrumente. Der Frauenclub übergab die mitgebrachten Sachspenden, welche von den Kindern begeistert angenommen wurden, sowie eine Geldspende für weitere dringend benötigte Anschaffungen. Das Waisenhaus hat Kinder von 3 – 18 Jahren und erhält pro Kind und Tag eine Staatliche Unterstützung von ca. 1,50 €. Es erübrigt sich auf Zustände baulicher Art sowie Art der Ausstattung genauer einzugehen. Es entspricht bei weitem nicht unserem Standard. Was wir aber gespürt haben war, mit welcher Hingabe und Fürsorge die Betreuung war.

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Im Namen der Firma Sorg Hörsysteme GmbH in Marbach und dessen Inhaber, Reinhard Sorg, konnte die langjährige 1. Vorsitzende des Frauenclubs Rielingshausen eine namhafte Geldspende für den lang ersehnten Einbau eines Badezimmers übergeben. Die Freude der Betreuerinnen und aller Kinder war riesengroß.

St.Petersburg-07-2003-1670
die weißen Nächte bei offener Brücke

Der Tag der Abreise und des Abschiedes von St. Petersburg begann um 1 Uhr nachts. Da die Brücken der Stadt um 1.30 Uhr bis 5.30 hochgezogen werden, damit die großen Schiffe vom Ladoga See zur Ostsee und umgekehrt passieren können, mussten wir so früh auf das Festland fahren. Einen letzten schönen Blick konnten wir von der geöffneten Palastbrücke einfangen, bevor es zum Flughafen ging. Eine erlebnisreiche Reise ging zu Ende.