1. Internat. Frauenfrühstück

Frauen aus aller Welt schlagen Brücken

Der Auftakt hätte kaum besser laufen können. Rund 40 Frauen sind am Samstagmorgen der Einladung des Rielingshäusener Frauenclubs gefolgt und haben die Premiere des Internationalen Frauenfrühstücks bereichert. Der Frauenclub sei international, innovativ, sozial und mildtätig, umriss die Vorsitzende Brigitte Wolf die Ziele des mehr als 80 Frauen starken Vereins. „Wir stehen für Partner in aller Welt und in Kontakt mit Frauen in Russland, der Türkei, England, den USA und China“, sagte Brigitte Wolf mit Blick auf die Städte, die bereits eine offizielle Partnerschaft mit Marbach haben oder die, wie etwa die türkische Kleinstadt Tirebolu, eine enge Freundschaft mit der Schillerstadt verbindet. Erst vor ein paar Tagen sind Brigitte Wolf und Christiane Scheuing-Bartelmess mit einer Delegation aus Tirebolu zurückgekommen.

Doch auch im Marbacher Stadtteil kann man Frauen aus aller Welt begegnen und mit ihnen ins Gespräch kommen. „Wir freuen uns, dass so viele Frauen aus anderen Ländern und sogar Kontinenten heute hier sind“, sagte Brigitte Wolf zu Beginn. Am weitesten entfernt von der Heimat ist Ajan. 2010 ist die heute 28-Jährige aus Somalia geflüchtet. Ihre Geschichte? Die sei lang und schmerzhaft, sagt Ajan in gutem Deutsch. Nein, an diesem Morgen möchte sie den Schmerz von damals nicht noch einmal empfinden, sondern Frauen aus ihrer „neuen Heimat“ kennenlernen. Seit zehn Monaten lebt sie im Hörnle – zusammen mit ihren beiden in Deutschland geborenen Töchtern und ihrem Mann, dem die Flucht 2012 gelang. Gemeinsam Somalia verlassen? Das sei unbezahlbar gewesen, sagt Ajan und schüttelt den Kopf.

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Einige Bilder der Veranstaltung

Schon seit 20 Jahren lebt Rosella in Deutschland. Die Kinder sind hier aufgewachsen. Zwei Jahre hat die gebürtige Italienerin in Rielingshausen gelebt, bevor sie nach Ludwigsburg gezogen ist. Doch an dem „kleinen schönen Ort“ hängt sie immer noch – und das nicht nur wegen ihrer besten Freundin Vera, mit der sie ins Kelterstüble gekommen ist. In einer Stadt wie Ludwigsburg hätten die Leute keine Zeit füreinander, das sei in Rielingshausen anders, sagt sie mit Wehmut in der Stimme.

Ursprünglich stammt Elisabeth aus den Vereinigten Staaten, doch nach mehr als20 Jahren in Indonesien, wo sie ihren „schwäbischen Mann“ kennengelernt hat, lebt sie seit 1977 in Deutschland. Zusammen mit ihrer Schwiegertochter Gudrun, die witzigerweise ihrem Mann in den USA begegnet ist, bereichert sie den Treff an diesem Morgen. Ebenfalls aus Marbach hat sich Alexandra auf den Weg in den Stadtteil gemacht. Im Internet hat die Krankenschwester die Einladung zu der Veranstaltung des Frauenclubs entdeckt und da sie erst vor kurzem der Liebe wegen in die Schillerstadt gezogen ist, hofft die gebürtige Polin beim gemeinsamen Frühstück Bekanntschaften zu schließen. Was ihr auch schon nach kürzester Zeit gelingt.

Die jüngsten Gäste an diesem Morgen haben sich auch aus Marbach auf den Weg gemacht, ihre eigentliche Heimat ist aber viele Kilometer entfernt von Deutschland. Qiao und Shulai kommen aus China. Die 25-jährige Qiao ist seit Oktober Assistentin für das Fach Chinesisch am Friedrich-Schiller-Gymnasium (FSG). Im Juni geht sie wieder zurück. Die 16-jährige Shulai ist noch bis Ende des Schuljahres Teil der internationalen Klasse am FSG. An der hiesigen Küche haben die jungen Damen Gefallen gefunden. Auch am Frühstück – obwohl sich das doch gewaltig von einem Frühstück in der Heimat unterscheidet. „Zuhause gibt es schon morgens Nudeln“, erzählt Qiao und beißt beherzt in ihr Marmeladenbrötchen. Nach eineinhalb Stunden löst sich die Gesellschaft langsam auf. Nach vielen guten Gesprächen und Begegnungen. Um diese zu ermöglichen, hat Brigitte Wolf die deutschen Frauen ganz bewusst an die Tische verstreut. Die Vorsitzende des agilen Vereins ist zufrieden. Die Resonanz war gut und die Rückmeldungen ebenso. Dass es zu Veranstaltungen und Aktionen, die der Frauenclub immer wieder auf die Beine stellt, viele fleißige Helfer im Hintergrund braucht, weiß die Rielingshäuserin. „Die Vorsitzende kann noch so viele gute Ideen haben, wenn es keine Leute gibt, die beim Umsetzen helfen, wird nichts draus“, sagt sie und bedankt sich bei ihrem Team.

Mit freundlicher Genehmigung der Marbacher Zeitung (Karin Götz) vom 12. 5. 2015